15.03.12 | 16:00 Uhr | Belarus

Unsere Literaturzene ist zersplittert – Gespräch mit Volha Hapiejeva

von Mirko Schwanitz

Das erste Mal traf ich sie in einem Altneubau in der “Sonnenstadt der Träume”, wie derKonzeptkünstler und Buchautor Artur Klinau die belarussische Hauptstadt Minsk nennt. Unten, vor dem Fenster, ging gerade eine Demonstration der sogenannten Opposition zu Ende. Sie und die Freunde, mit denen sie sich in der vor Zigarettrauch blauen Küche bei Käse und Wein traf, interessierte das nicht. “Die haben auch nur ihre eigenen Interessen”, wurde das Geschehen sechs Stockwerke unterm Fensterbrett kommentiert. Volha und ihre Freunde, Tänzer und Schauspieler vom experimentellen Korniag-Theater stehen für mich für das moderne, Europa zugewandte aber zugleich Russland nicht abgewandte Belarus. Offenheit, Neugierde und der Bruch mit den Konventionen, das ist, was sie antreibt. So wundert es mich nicht, das Volha Hapiejeva sich keiner jener Gruppen zugehörig fühlt, die gemeinhin für die belarussische Literaturszene gehalten werden,  aber doch nur einen Teil von ihr darstellen….

Die belarussische Lyrikerin Volha Hapeeva

Die belarussische Lyrikerin Volha Hapeeva

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Volha Hapeeva, was zeichnet ihre Lyrik aus?

Was Volha auf diese und andere Fragen antwortete, erfahren sie hier:

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Volha Hapiejeva

Unrasierter Morgen

die baumwollzunge

durchs schmale lippenohr gefadelt

stickst du auf meinem bauch

ein monogramm

* * *

gestern sah ich dich am himmel

du schwammst wie eine wolke

und ich dachte

wind wollte ich sein

* * *

ich packe den faustgrosen stein

und lasse ihn auf deine verse krachen

aus den splittern schreibe ich ein poem

daruber dass hier mal mein herz war

 

Übersetzungc  Thomas Weiler

 

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Mirko Schwanitz

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