19.03.11 | 22:47 Uhr | Auf dem Weg

Der Geschmack der Straße

Ein erster Eindruck von der Balkannacht: Vladislav Todorov  ist ein bulgarischer Schriftsteller, der in Pennsylvania Kunstgeschichte unterrichtet. Er ist geschätzte zwei Meter zehn groß, er trägt Armeehosen zu einem glattrasierter Schädel, und sein Englisch hat einen extrabreiten amerikanischen Akzent.

Der Roman, aus dem er vorliest, heißt “Dzift”. Das ist das bulgarische Wort für Asphalt. “I don’t know what’s your experience”, sagt Vladislav Todorov, “but I used to chew asphalt when I child.”

Vladislav Todorov wurde 1956 in Sophia geboren. Als er ein Teenager war, gab es in Bulgarien kein Kaugummi. Aber weil die Amerikaner in den Filmen ständig Kaugummi kauten, haben er und seine Kumpels sich eben gelegentlich ein Stück Asphalt in den Mund geschoben.

Kurzes, ehrfürchtiges Schweigen im Publikum. Asphalt?

“It’s chewable, but it’s bad for your health”, sagt Vladislav Todorov. “Don’t try that at home.”

Sein Roman ist jetzt auch auf Deutsch erschienen. Sein Verlag hat ihm den Titel “Die Motte” gegeben. Das mit dem Asphalt ist einfach ein bisschen zu krass für uns.

Kolja Mensing

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